Atlassian hat offiziell die Einstellung (Ende des Produktlebenszyklus) seiner Data-Center-Produktlinie angekündigt. Davon betroffen sind unter anderem Jira Data Center und Confluence Data Center, die bislang von vielen Organisationen in eigenen Rechenzentren betrieben werden.
Diese Entscheidung ist Teil der langfristigen strategischen Neuausrichtung von Atlassian hin zu einem Cloud-zentrierten Geschäftsmodell. Sie betrifft tausende Unternehmen und Organisationen, die Atlassian-Produkte bewusst On-Premises eingesetzt haben.
Da das vollständige Support-Ende für März 2029 geplant ist, überprüfen Organisationen aus dem Gesundheitswesen, dem öffentlichen Sektor, der Finanzbranche, kritischer Infrastruktur sowie anderen stark regulierten Bereichen derzeit ihre zukünftige Plattformstrategie.
Eine zentrale Frage steht dabei im Raum: Welche Optionen bleiben, wenn Atlassian Jira und Confluence Data Center bis 2029 einstellt?
Die Antwort ist nicht für jede Organisation gleich.
Zeitplan zur Einstellung von Atlassian Data Center
Atlassian beendet die Data-Center-Produkte schrittweise:
30. März 2026
Ab diesem Datum können keine neuen Data-Center-Lizenzen mehr erworben werden.
30. März 2028
Bestehende Lizenzen sowie Erweiterungen und Apps aus dem Atlassian Marketplace können nicht mehr verlängert oder erweitert werden.
28. März 2029
Offizielles Ende des Produktlebenszyklus:
- Produkte werden schreibgeschützt
- der Herstellersupport endet vollständig
Nach diesem Zeitpunkt erhalten Jira und Confluence Data Center keine Sicherheitsupdates, Fehlerbehebungen oder technischen Support mehr.
Warum Abwarten bis 2029 ein hohes Risiko darstellt
Auch wenn das finale Datum noch einige Jahre entfernt scheint, beginnen die praktischen Einschränkungen deutlich früher:
- Sicherheitsrisiken steigen, da Updates seltener werden und bekannte Schwachstellen bestehen bleiben
- Hersteller von Erweiterungen (Add-ons) stellen den Support für Data Center schrittweise ein
- Prüfungen im Rahmen von Compliance, Audits und Zertifizierungen werden schwieriger
- Migrationsmöglichkeiten nehmen ab, während Nachfrage und Ressourcenkonkurrenz steigen
Für Organisationen mit komplexen IT-Landschaften führen späte Entscheidungen häufig zu höheren Kosten, Zeitdruck und erhöhtem Betriebsrisiko.
Cloud ist eine Option – aber keine einfache
Für einen Teil der Organisationen ist ein Wechsel in die Atlassian Cloud grundsätzlich möglich, jedoch mit erheblichen organisatorischen und technischen Herausforderungen verbunden.
Anwendungsfälle im Gesundheitswesen und bei sensiblen Daten
Insbesondere im Gesundheitswesen, wo Jira häufig zur Verarbeitung von personenbezogenen Gesundheitsdaten eingesetzt wird, ist der Übergang anspruchsvoll. Atlassian Cloud kann zwar Konfigurationen unterstützen, die an gesetzliche Anforderungen (z. B. HIPAA) angelehnt sind, dennoch bringt der Wechsel in eine Cloud-Umgebung neue Rahmenbedingungen mit sich:
- geteilte Verantwortlichkeiten zwischen Anbieter und Kunde
- Betrieb in einer mandantenfähigen (Multi-Tenant-)Architektur
- Änderungen bei Lizenzmodellen und Kostenstrukturen
- Wegfall von Sonderkonditionen, etwa für gemeinnützige Organisationen
- technische und betriebliche Begrenzungen, z. B. bei Automatisierungen
Organisationen mit tausenden bestehenden Automatisierungen müssen Abläufe konsolidieren und neu gestalten, um innerhalb der Cloud-Grenzen zu bleiben. Das ist möglich, erfordert jedoch erhebliche Planung und Anpassung.
Für diese Organisationen ist eine Cloud-Migration machbar, aber selten trivial. Sie bedeutet nicht nur eine technische Umstellung, sondern eine strukturelle, finanzielle und operative Transformation.
In der Praxis heißt das, dass Organisationen bereit sein müssen:
- ihre Compliance-Modelle an geteilte Verantwortlichkeiten anzupassen
- rechtliche und vertragliche Freigaben für mandantenfähige Architekturen einzuholen
- Automatisierungen und Workflows neu zu gestalten
- Lizenz- und Kostenmodelle neu zu bewerten
- Integrationen zu überarbeiten, die auf Data-Center-spezifischen Funktionen beruhen
- in Schulung und Change Management zu investieren
Deshalb beginnen Organisationen, die in die Cloud wechseln können, meist frühzeitig mit der Vorbereitung.
Wenn Cloud keine Option ist
Für andere Organisationen ist die Nutzung von Cloud-Diensten grundsätzlich ausgeschlossen. Das betrifft insbesondere Umgebungen, die:
- vollständig vom Internet getrennt sind (abgeschottete Netzwerke)
- zwingend in einer Einmandanten-Architektur betrieben werden müssen
- keinen Zugriff durch externe Dienstleister erlauben
- strengen gesetzlichen oder vertraglichen Vorgaben zur Datenhoheit unterliegen
In diesen Fällen reicht eine Verschlüsselung gespeicherter Daten nicht aus. Auch bei verschlüsselten Daten muss ein Cloud-Anbieter technisch in der Lage sein, Inhalte zu entschlüsseln und bereitzustellen. Für manche Organisationen ist dies bereits konzeptionell unzulässig.
Sonderregelungen von Atlassian: Chancen und Grenzen
Atlassian hat eingeräumt, dass einige Kunden nicht in die Cloud wechseln können, und in Aussicht gestellt, dass Sonderregelungen möglich sind.
Diese Sonderregelungen lösen jedoch nicht alle Probleme:
- Langfristige Zusagen zu Sicherheitsupdates sind unklar
- Die strategischen Investitionen des Herstellers verlagern sich weiter weg von Data Center
- Anbieter von Erweiterungen sind nicht verpflichtet, Data Center weiter zu unterstützen
- Kritische Funktionen können schrittweise ausfallen
- Selbst mit Sonderregelungen bleibt das Risiko einer schleichenden Erosion des Ökosystems bestehen.
Alternativen zu Atlassian Data Center: Vorgehensweisen in der Praxis
Angesichts dieser Situation verfolgen Organisationen meist einen von drei Wegen:
- Vollständiger Wechsel in die Atlassian Cloud
Geeignet für Organisationen, die Software-as-a-Service, mandantenfähige Systeme und veränderte Betriebsmodelle akzeptieren können.
- Verbleib auf Data Center mit Sonderregelungen
Nur für einen begrenzten Kreis realistisch, mit wachsendem Risiko und unsicherer Perspektive.
- Schrittweise Reduzierung der Abhängigkeit
Viele Organisationen ersetzen Teile des Atlassian-Stacks gezielt, während andere Komponenten vorübergehend bestehen bleiben.
Häufig beginnt dieser Weg mit Confluence, da es einfacher zu ersetzen ist als Jira und besonders stark von Erweiterungen abhängt.
Alternative zu Jira Data Center: Ein schrittweiser Ausstieg
Jira Data Center ist oft tief in operative Prozesse eingebettet. Ein sofortiger Ersatz ist daher häufig unrealistisch.
Viele Organisationen entscheiden sich deshalb für folgendes Vorgehen:
- Jira Data Center zunächst weiter betreiben
- Confluence frühzeitig ablösen
- Abhängigkeiten vom Marketplace reduzieren
- Zeit gewinnen, um On-Premises-Alternativen zu bewerten
Dieser Ansatz senkt Risiken, ohne den laufenden Betrieb abrupt zu gefährden.
Wenn Cloud keine Option ist: Die tragfähige Lösung
Für Organisationen ohne Cloud-Möglichkeit besteht die Lösung nicht im Abwarten.
Die tragfähige Strategie ist:
- eine phasenweise Migration
- eine kundengesteuerte On-Premise- oder Private-Cloud-Plattform
- eine gezielte Reduzierung der Abhängigkeit von Atlassian Data Center
Warum SharePoint eine geeignete Alternative für Wissensplattformen ist
Bei Betrieb im eigenen Rechenzentrum oder in einer Private Cloud bietet SharePoint:
- vollständige Kontrolle über Infrastruktur und Verschlüsselung
- etabliertes Identitäts- und Berechtigungsmanagement
- Erfüllung strenger Anforderungen an Datenresidenz
- eine langfristige Produktstrategie unabhängig von Atlassian
Mit geeigneten Werkzeugen lässt sich SharePoint als vollwertiger Ersatz für Confluence einsetzen.
DIY-Migration von Confluence nach SharePoint
Migration von Confluence zu SharePoint mit Rocketta
Rocketta unterstützt Organisationen bei der Migration von Confluence (Cloud oder Server) zu SharePoint Online, On-Premise oder in Private-Cloud-Umgebungen.
Ziel ist nicht das bloße Kopieren von Inhalten, sondern der Aufbau einer nutzbaren, regelkonformen und dauerhaft wartbaren Wissensplattform.
Was Rocketta migriert und optimiert
Rocketta ermöglicht eine strukturierte Migration:
- Bereiche und Seiten mit erhaltener Hierarchie
- Anhänge und eingebettete Medien inklusive Metadaten
- Berechtigungen, sauber abgebildet in SharePoint-Gruppen
- Seitenlayouts, angepasst an modernes SharePoint-Design
- Über 40 Confluence-Funktionen, umgesetzt als SharePoint-Webparts
- Schlagwörter und Labels, integriert in den SharePoint-Terminologiespeicher
Zusatzfunktionen
- Automatische Weiterleitungen von alten Confluence-Links
- Unterstützung mehrsprachiger Wissensplattformen
- PDF-Export für Archivierungs- oder Offline-Zwecke

Fazit: Zwei Wege – und die Bedeutung einer bewussten Entscheidung
Mit der Einstellung von Atlassian Data Center stehen Organisationen vor zwei grundlegenden Optionen.
Der erste Weg ist, dem vorgegebenen Trend zu folgen: der Wechsel in die Atlassian Cloud und die Akzeptanz der damit verbundenen Rahmenbedingungen. Für viele Organisationen ist dies ein sinnvoller Schritt, der Innovation ermöglicht und den Infrastrukturaufwand reduziert, jedoch neue Abhängigkeiten und Einschränkungen mit sich bringt.
Der zweite Weg ist, eine Alternative zu wählen und die eigenen Rahmenbedingungen selbst zu definieren. Dieser Ansatz priorisiert Kontrolle über Infrastruktur, Datenzugriff, Compliance-Grenzen und langfristige Weiterentwicklung – erfordert jedoch eine bewusste, frühzeitige Planung.
Es gibt keine allgemein richtige Entscheidung. Entscheidend ist, rechtzeitig und informiert zu wählen, bevor Zeitdruck und Support-Ende die Handlungsspielräume einschränken.
Rocketta unterstützt Organisationen auf beiden Wegen – durch strukturierte Migrationen, fundierte Beratung und die Umsetzung tragfähiger Wissensplattformen.
Der entscheidende Vorteil liegt nicht im späten Reagieren, sondern im frühen Entscheiden zu den eigenen Bedingungen.

